Borkenkäfer

Einschaltung der Bezirkhauptmannschaft Spittal/Drau

Nach den Aufzeichnungen und Auswertungen der Landesforstdirektion (DWF: Wuggenig / Kügler 2011) sind im abgelaufenen Jahr im Bezirk Spittal an der Drau nicht weniger als 86.705 fm Borkenkäferschadholz angefallen. Bei einem durchschnittlichen bezirksweiten Jahreseinschlag von ca 285.000 Efm entspricht dies einem Anteil von ca. 30 %.
Der heiße und weitgehend niederschlagsfreie Juli des Jahres 2010 war für die besorgniserregende Entwicklung der Borkenkäferpopulation sicherlich mitverantwortlich.

Die Art entwickelt sich als Sekundärschädling im lebenden, holznahen Teil der Rinde vornehmlich von Fichten, wo die Käferlarven durch ihre typischen, unverwechselbaren Fraßgänge den Saftstrom im Bast unterbinden und den solcherart befallenen Stamm zum Absterben bringen. Aus einer etwa 60 cm starken Altholzfichte können bis zu 10.000 Jungkäfer und mehr ausfliegen!
Sowohl der Käfer selbst wie auch seine Larven dringen nicht in das Holz ein!

Käferhölzer werden – wohl wegen der Verblauung der Splintzone - normalerweise von den Holzkäufern als Cx-Sortiment übernommen und ergeben deshalb Mindererlöse.
Es wird stehendes wie auch bereits gefälltes Holz (Rindenholz!) während der Vegetationsperiode (April – Oktober) vom Talboden bis in subalpine Lagen (ca.1800 m Seehöhe) befallen. Weißtannen werden von dieser Käferart nicht als Brutbäume angenommen.

Die Entwicklungsdauer vom Ei bis zum fertigen Käfer hängt stark von den jeweils herrschenden Witterungsbedingungen ab und beträgt ca. 6 – 8 Wochen, bei Trockenheit und Hitze auch bedeutend weniger. Auch die Zahl der Generationen pro Jahr – im Normalfall zwei – kann bei trockenen, heißen Sommern höher sein. Sowohl die Larven wie auch die Puppen sind selbst bei relativ milden Temperaturen (minus 5 Grad) nicht in der Lage, den Winter in unseren Breiten zu überstehen (aus: Forstschutz Aktuell Nr.50, Schopf / Kritsch). Es überwintern jedoch die Käfer der Herbstgeneration teils in der Rinde der Brutbäume und teils im Boden, wobei die Wintermortalität im Käferstadium ca. 50% beträgt (Schopf / Kritsch 2011).

Besonders gefährdet sind Fichtenbäume an frischen Schlagrändern und in aufgelichteten Plenterflächen, beschädigte Seil-Stützenbäume sowie von Blitz, Schnee und Wind geschädigte Bäume und / oder Fichten, die im Rahmen von unpfleglichen Fällungs- und Bringungsarbeiten beschädigt wurden!

Das vermehrte Auftreten von „Käferbäumen“ - wie im Jahr 2010 - ist ein untrügliches Indiz dafür, dass der sog. „Eiserne Käferbestand“ derzeit sehr hoch ist und die Ge-fahr einer Massenvermehrung auch im Oberen Drautal befürchtet werden muss.
Um einem derartigen Szenario vorzubeugen, erscheint es dringend geboten, seitens der Waldbesitzer die Waldhygiene in der derzeitigen Situation wirklich ernst zu neh-men und vom Käfer befallene Bäume sofort zu fällen und im Sinne eines wirksamen Forstschutzes zu behandeln (entrinden oder chem. Behandlung) und nicht erst dann Aktivitäten zu setzen, nachdem ein behördlicher Räumungsbescheid zugestellt wurde.

Jeder Waldbesitzer ist verpflichtet, seinen Wald in regelmäßigen Abständen zu durchforschen und gegenseitige Informationspflicht unter Waldbesitzern sollte zum „guten Ton“ gehören.

Der Sinn des raschen Handelns gründet sich im Bestreben des „Abfangens“ der Jungkäfer und der elfenbeinfarbenen Jugendstadien (Eier, Larven, Puppen) und soll-te für jeden verantwortungsbewussten Waldbauern unter Würdigung der derzeitigen, angespannten Käfersituation ein „Muss“ und eine ethische Verpflichtung im Sinne einer dauerhaften Walderhaltung und vor allem auch eine moralische Verpflichtung gegenüber den Wald-Nachbarn sein!

In diesem Zusammenhang wird auf die dzt. geltende Verordnung der Bezirkshaupt-mannschaft Spittal an der Drau vom 12.01.2011 verwiesen, die nicht nur dem Waldbesitzer besondere Verpflichtungen auferlegt sondern auch den jeweils zuständigen Organen der Forstbehörde die Möglichkeit gibt bzw. ebenfalls die Verpflichtung auferlegt, gegen säumige Waldbesitzer entsprechende Strafverfahren einzuleiten.

Die Ausschüttung einer forstlichen Förderung für die Aufarbeitung von Borkenkäferschadholz ist unter Einhaltung der einschlägigen Förderungsrichtlinien möglich:

Mindestfläche (Kahlfläche) nach der Aufarbeitung: 0,3 ha zusammenhängend (keine Teilflächen!)

Flächenprämie im Wirtschaftswald : Euro 1000,- / ha
im Schutzwald : Euro 2000,- / ha

Im Schutzwald ist außerdem die Förderung der Seilbringung von Käferschadholz mit Euro 4,- / fm unter Verzicht auf die Flächenprämie möglich.

Diesbezügliche Förderanträge sind in den Büros der jeweiligen Forstaufsichtsstationen oder der Bezirksforstinspektion, rechtzeitig – noch vor Beginn der Aufräumungsarbeiten – zu stellen.

Bezirksforstinspektion Spittal an der Drau, am 09.02.2011